| Reinhold Müller ist Saarlandmeister
2008
Die
47. saarländische Einzelmeisterschaft im Schach, die vom 14. -
22.03. in Wiesbach vom Schachclub 1928 Eppelborn (SCE) in
Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Schachverband 1921 e. V. (SSV)
ausgerichtet wurde, endete mit einer faustdicken Überraschung. Der
erst 16-jährige Saarbrücker Schüler Reinhold „Ronny“ Müller gewann
den Titel vor André Oberhofer und IM Herbert Bastian.
Dabei
sah der Verlauf des Meister-A-Turniers (MAT) zunächst durchaus den
erwarteten Turniersieger vor. In den ersten fünf Runden der auf neun
Spielen angelegten Turnierstrecke sammelte der 19-fache
Saarlandmeister, Favorit und internationale Titelträger Herbert
Bastian 4,5 Punkte - unter anderem auch mit einem Sieg gegen Ronny
Müller. Doch dann brachten ihm nacheinander der Illinger Joachim
Klein und die Saarbrücker André Oberhofer und Jean-Marc Mayer drei
unerwartete Niederlagen in Folge bei. Am meisten profitierte davon
der an Nummer Zwei gesetzte Schüler, der sich für die nächsten
beiden Jahre als Ziel gesetzt hat, die Spielstärke eines
Fidemeisters zu erreichen. Zwar musste er um den Titel noch ein
wenig zittern, als er in der vorletzten Runde selbst verlor, doch
die Konstellation in den Paarungen der Schlussrunde bescherte ihm
nach Feinwertung Platz Eins – punktgleich mit dem Zweiten Oberhofer.
Der Spieler der Schachvereinigung Saarbrücken 70 konnte es nach
Spielschluss selbst kaum fassen. „Zwar hatte ich für dieses Jahr
meine besten Chancen, weil viele starke Spieler nicht dabei waren,
aber dass es am Ende tatsächlichen reichen sollte, das hätte ich
nach diesem Beginn nicht gedacht“, bilanzierte der neue
Saarlandmeister. Dabei ist das Gefühl, ganz oben auf dem Treppchen
zu stehen, für ihn nicht neu. Ronny war bereits in der U12 und in
der U18 bester seiner Altersstufe und gewann die
Jugendmeisterschaften des Landes.
Regelmäßig
fährt er zu den Deutschen Meisterschaften der Jugend, in diesem Jahr
spielt er dort wieder in der U18 mit. Für ihn kommt der Titelgewinn
gerade recht, denn am Freitag feiert er seinen 17. Geburtstag als
frischgebackener Saarlandmeister. Als Sechsjähriger lernte er das
Spiel und war schon wenige Jahre später weitaus stärker, als die
meisten Erwachsenen in den Schachvereinen. In seinem eigenen
Schachclub übersprang er reihenweise die Mannschaften und spielte
schon mit 13 Jahren erstmals Oberliga, das ist im Schach die
bundesweit dritthöchste Spielklasse. Im kommenden Jahr visiert er
als Teilnehmer des ersten G8-Jahrgangs das Abitur nach zwölf
Schuljahren an. Für Herbert Bastian, seinen Mannschaftskollegen und
uneinholbarer Rekordhalter im Saarland, ist diese Entwicklung nur
logisch: „Ronny hat sich in den letzten Jahren stetig
weiterentwickelt. Er hat sein Eröffnungsrepertoire erweitert und
kommt immer öfter auch mit komplizierten Stellungs- und
ungewöhnlichen Kräfteverhältnissen auf dem Brett klar. Wenn er jetzt
noch Kontinuität beweisen kann und seinem Talent die entsprechend
sportliche Lebensweise folgen lässt, kann er ein richtig Guter
werden“, lobt der Internationale Meister. Für den Vorsitzenden des
saarländischen Schachverbandes und zugleich Spitzenspieler des
Landes sei „es ohnehin nicht wichtig, wer den Titel holt. Wichtig
ist allein, dass er das Saarland bundesweit würdig vertritt“.
Insgesamt
nahmen 259 Spieler aller Altersklassen an diesem Großereignis teil.
Die Teilnehmerzahl von 2007 wurde damit leider nicht erreicht. Am
Eröffnungstag konnte der 1. Vorsitzende Thomas Klesen den
Schirmherren der Veranstaltung, Bürgermeister Fritz Hermann Lutz und
den Ortsvorsteher von Wiesbach Herrn Richard Kleer im Turniersaal
begrüßen.
Das
Turnier wurde vom Saarländischen Schachverband unter Leitung von
Turnierleiterin Marion Thewes geleitet. Unterstützt wurde sie von
den Turnierhelfern Winfried Himmel, Ulrich Schmitt und Dirk Müller
vom Ausrichter. Als Schiedsrichter im Saal war Gernot Weiser im
Einsatz. Das Turnier verlief sehr fair und stand jederzeit unter
einer freundschaftlichen Atmosphäre. Das besondere an dem ganzen
Turnier war allerdings, dass zum ersten Mal in der langen Geschichte
der SEM das Spitzenbrett des MAT auf eine Leinwand im Schankraum
übertragen werden konnte. Trotz anfänglicher technischer
Schwierigkeiten gelang es dem Ausrichter die entscheidenden Kämpfe
der letzten drei Runden mit einem DGT-Brett live und ohne
Zeitverzögerung zu übertragen.
Die
gesamte SEM war umrahmt von schönen Aktionen: Am 18. März feierte
der Schachclub Eppelborn punktgenau seinen 80. Geburtstag. Hier gab
es gegen Vorlage eines Getränkebons zwei verbilligte Getränke für
jeden Spieler. Am Karfreitag war der “Förderverein Saarländischer
Schachkultur“ mit einer Ausstellung zu Gast. Hier konnte man sehr
schöne historische Werke bewundern. Auch einen Mal- und
Bastelwettbewerb hatte der Ausrichter ins Leben gerufen. Hier gewann
in der Altersklasse I Jula Schaaf aus Eppelborn. Sie konnte sich
über ein Eisessen im Eppelborner Eiscafe freuen. In Altersklasse 2
gewann Christopher Dickmann. Zwei Schachbücher und ein
Schlüsselanhänger waren sein Gewinn. Und in der Altersklasse 3
gewann Frank Bayer von Gablenz mit seinem Werk: “Schachmatt unterm
Apfelbaum“ ein Schachbuch sowie einen elektronischen Wecker. Jürgen
Schimmer aus Landau reiste extra zu diesem Bastelwettbewerb aus der
Pfalz an. Er konnte mit seinem Werk “Das rote Pferd“ immerhin den 2.
Platz in der Altersklasse III erringen und erhielt einen Präsentkorb
der „Großwald-Brauerei“.
Das
Meister-B-Turnier (MBT) wurde in diesem Jahr klar vom Püttlinger
Dominik Faas dominiert, trotz vierer Remispartien ließ er zu keiner
Minute jemanden an seine Spitzenposition heran - er verwies mit
Stephan Busemann (Caissa Schwarzenbach) und Manfred Huwig
(Fischbach) gleich zwei nominell stärkere Spieler auf den zweiten
und dritten Platz. Neben den drei genannten schaffte aber vierte
Hans-Jürgen Alt aus Riegelsberg den Aufstieg in die Königsklasse,
dem MAT.
Im
A-Turnier (AT) setzte sich Martin Pietzka aus Lebach mit 7 Punkten
gegen Hubertus Lukas aus Siesburg ebenfalls lediglich durch die "Buchholz"-
Feinwertung getrennt, durch. Auf Rang drei schaffte es der
Sulzbacher Pawel Kunz mit sechs Punkten. Als vierter Aufsteiger ins
MBT qualifizierte sich noch der Holzer Schachfreund Christoph Büch.
Eric
Mootz vom Saarbrücker Gambit konnte sich im B-Turnier mit sieben
Punkten die Goldmedaille sichern und ließ damit fast eine ganze
Schar nominell stärkerer Spieler hinter sich. Punktgleich folgt ihm
im nächsten Jahr ins AT der Eppelborner Klaus Schmitz, der sich
durch 7 Siege die Silbermedaille erkämpfen konnte. Die
Bronzemedaille ging mit 6,5 Punkten an Armin Hessedenz aus
Saarwellingen. Den weiteren Aufstiegsplatz erspielte Marco Sgarlata
aus Saarbrücken.
Im
C-Turnier (CT) gab es eine kleine Überraschung. Lang wurde das Feld
vom Saarbrücker Iwan Gnilomedov dominiert, bevor er vom an Rang 8
gesetzten Simon Bastian, einem Saarbrücker Nachwuchstalent und Sohn
von IM Bastian gestürzt wurde. Dieser ließ dann auch nichts mehr
anbrennen und fuhr den Turniersieg sicher nach Hause, vor seinem
Vereinskameraden Gnilmedov. Auf Rang drei schaffte es der erst
12jährige Heusweilerer Cedric Holle. Ebenfalls den Sprung ins BT
gelang dem Lebacher Maximilian Steffen.
Im
Nachwuchsturnier, dem D-Turnier (DT) setzte sich wie erwartet mit
7,5 Punkten der St. Ingberter Andreas Freis durch, auch sein Sieg
war zu keiner Zeit gefährdet. Im folgte mit sieben Punkten Philipp
Weiler aus Wiesbach und Robin Dräger aus Heusweiler. Mit 6,5 Punkten
sicherte sich der Illinger Neueinsteiger Patrick Kuhn das letzte
Aufstiegsticket ins CT.
Zusätzlich
zu diesen Leitungsgruppen richtet der SSV in jedem Jahr ein
Extraturnier für die älteren Schachspieler, die das 60. (Männer)
respektive das 55. (Frauen) Lebensjahr bereits vollendet haben, aus.
In diesem Seniorenturnier gewann ebenfalls ein Saarbrücker, nämlich
Helmut Passeier mit 6,5 Punkten. Der zweite Platz ging mit Robert
Schumacher ebenfalls nach Saarbrücken zur SVg. Den dritten Platz
sicherte sich Heinz Wirtz vom Saarbrücker Gambit.
Alles in Allem war
es eine rundum gelungene Veranstaltung, die vom SCE hervorragend
organisiert wurde. Der Dank geht neben dem Ausrichter aber auch an
die Funktionäre Marion Thewes (Turnierleitung), Dirk Müller
(Internet, Material und Technik), Gernot Weiser (Schiedsrichter im
Saal), Werner Friess (Koordinator, LspL), Hans-Jürgen Staub
(Finanzen), Tim Aubertin (DWZ), dem Turnierausschuss und Ulrich
Schmitt vom Ausrichter für die Unterstützung bei der Turnierleitung,
ohne die dieses Event mit Sicherheit nicht so reibungslos über die
Bühne gegangen wäre.
Text: Dirk
Müller, nach Zuarbeit von Klaus-Jörg Lais und Thomas Klesen
Fotos: Dirk Müller und Gerd Nowacki |
UPDATE 17.05.2008, 00:35 Uhr:
Die Partien der 9. Runde des A-Turniers wurden hinzugefügt.
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